Bioenergie-Kommunen 2019 - Bundeswettbewerb

Archiv - Wettbewerb 2010

Bioenergie-Kommunen 2019

35 Bioenergiedörfer bewarben sich um den Bundespreis

Bewerbungsfrist für den Wettbewerb war der 18.7.2010. Insgesamt haben sich 35 Bioenergiedörfer um den Preis beworben.

Orte in Niedersachsen, Bayern und Brandenburg ausgezeichnet

Die vorbildlichsten Bioenergiedörfer Deutschlands sind Jühnde-Barlissen (Niedersachsen), Effelter (Bayern) und Feldheim (Brandenburg). Dies ist das Ergebnis des bundesweiten Wettbewerbs "Bioenergiedörfer 2010".

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) prämiert damit beispielhafte Bioenergiedörfer, die mindestens die Hälfte ihres Jahresstrom- und Wärmebedarfs aus regional erzeugter Biomasse decken. Die Dörfer sollten die Biomasse dabei möglichst effizient, nachhaltig und innovativ nutzen. Zudem sollte die Bevölkerung miteinbezogen werden.

Die Bioenergie ist die bedeutendste regenerative Energieform in Deutschland. Energie aus Biomasse macht derzeit 70 Prozent der Endenergiebereitstellung aus erneuerbaren Energieträgern aus. "Die lokale Nutzung einheimischer Biomasse zum Beispiel in Bioenergiedörfern oder ­Regionen ist ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen und ökologischen Energieversorgung. Wo immer es möglich ist, sollte der regionale Bezug an erster Stelle stehen. Dadurch entsteht Wertschöpfung vor Ort, die Arbeitsplätze schafft," sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner anlässlich der Bekanntgabe der Gewinner.

Die drei Kommunen werden anlässlich der auf der Messe "EUROTIER 2010" stattfindenden Ausstellung "Bioenergy Decentral" in Hannover prämiert und erhalten ein Preisgeld von je 10.000 Euro, das zum Ausbau der Bioenergiedörfer eingesetzt wird.

Effelter (Bayern)

Der Ort mit 280 Einwohnern liegt auf 600 Meter Höhe im Naturpark Frankenwald. Für ihn gelten deshalb ganz besonders strenge  Kriterien in punkto nachhaltiger Rohstoffgewinnung. Ausgangspunkt für den Ausbau zum Bioenergiedorf war eine landwirtschaftliche Biogasanlage. Mit starkem bürgerschaftlichen Engagement wurden in der Folge ein 2,4 km langes Nahwärmenetz und ein jeweils nach aktuellem Bedarf zuschaltbares Hackschnitzelheizwerk gebaut. Ergänzt werden diese gemeinschaftlichen Anlagen durch kleine private Holzfeuerungen. Entscheidend für die Auswahl von Effelter ist der Einsatz nachhaltig erzeugter Rohstoffe, so kommt in der kleinen Biogasanlage (2 mal 65 kW) kein Mais, sondern vorrangig Grassilage aus den umliegenden Höhenlagen, Rindergülle und minderwertiges Futtergetreide zum Einsatz. Für das Hackschnitzelheizwerk wird ausschließlich Holz aus der Gemarkung geworben, die Asche wird als Dünger wieder im Wald ausgebracht.

Anlagen/Technik

  • Biogasanlage mit 2 BHKW zu je 65 kW (Grassilage, Rindergülle, Getreide)
  • Holzhackschnitzelheizung 500 kW
  • Gemeinschafts-Photovoltaikanlage 30 kWp
  • 6 weitere private PV-Anlagen mit insgesamt 170 kWp
  • 60 m² private Solaranlagen zur Warmwasserbereitung
  • Wasserkraftanlage 3 kW
  • Nahwärmenetz 2,4 km
FNR/Jan Zappner

Feldheim (Brandenburg)

In dem brandenburgischen Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen mit 145 Einwohnern nimmt die Feldheim Energie GmbH & Co. KG, in der fast sämtliche ortsansässigen Hausbesitzer, Gewerbebetriebe und die Stadt Treuenbrietzen Gesellschafter sind, die Energieversorgung in die eigene Hand. Sie besitzt nicht nur ein mit Biogas- und Hackschnitzel-Wärme versorgtes Wärmenetz, sie verwaltet auch ein Stromnetz. Dieses wurde in ihrem Auftrag gebaut und dient der Verteilung eines Teils des Stroms aus einem 43-Anlagen-Windpark vor den Toren des Ortes. Später soll das neue Netz, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies zulassen, in das Eigentum der Feldheim Energie GmbH & Co. KG übergehen. Die Feldheimer haben damit das selbst gesteckte Ziel, ihren Wärme- und Strombedarf zu 100 Prozent aus lokal erzeugten erneuerbaren Energien zu decken, schon fast erreicht. Damit die Vollversorgung zu allen Tages- und Jahreszeiten rund um die Uhr klappt, fehlt jetzt nur noch ein dezentrales Speichersystem für elektrische Energie, doch auch daran wird bereits intensiv gearbeitet. Das Dorf ist so ein Modellvorhaben für die Machbarkeit einer nicht nur rechnerischen, sondern auch technisch-physikalischen Vollversorgung mit Strom und Wärme aus regenerativen Energien. Das Interesse aus anderen Gemeinden ist schon jetzt sehr groß. 

Anlagen/Technik

  • Biogasanlage 500 kW (Rindergülle, Schweinegülle, Maissilage, Roggenschrot)
  • Holzhackschnitzelheizung 350 kW
  • Windpark 74,1 MW
  • Nahwärmenetz 3 km
  • Stromnetz 3 km
  • Geplanter Energiespeicher (Natrium-Schwefel-Batterie)
FNR/Jan Zappner

Jühnde-Barlissen (Niedersachsen)

Das erste Bioenergiedorf Deutschlands ist gemeinsam mit seinem Ortsteil Barlissen auch die erste vollständige Bioenergie-Gemeinde in Deutschland. Sie zählt insgesamt 1080 Einwohner.  Mit einer Biogasanlage und einer Holzhackschnitzelheizung in genossenschaftlichem Eigentum ist Barlissen ganz nach dem Jühnder Vorbild umgesetzt worden. Die Gemeinde, die bereits einen sehr regen internationalen "Bioenergiedorf-Tourismus" verzeichnet, gibt die eigenen Erfahrungen nun im neu eingerichteten Kompetenzzentrum "Centrum Neue Energie" weiter. Verschiedene Veranstaltungen und Qualifizierungsmaßnahmen rund um Erneuerbare Energien finden hier statt. Auch das Thema Mobilität ist inzwischen Teil des Konzeptes, in Barlissen ist eine Elektro-Tankstelle an das Blockheizkraft der Biogasanlage gekoppelt, beide Gemeinden haben ein Elektro-Fahrzeug im Car-Sharing Modell im Einsatz.

Anlagen/Technik

Jühnde:

  • 716 kW Biogasanlage (Festmist, Gülle, Grassilage, Ganzpflanzensilage aus Mais und Getreide)
  • Holzhackschnitzelheizung 550 kW
  • Nahwärmenetz 6 km
  • 2 Bürgersolaranlagen (zusammen mit Barlissen), zusammen rund 45 kWp

Barlissen:

  • 250 kW Biogasanlage (Festmist, Gülle, Grassilage, Ganzpflanzensilage aus Mais und Getreide)
  • Holzhackschnitzelheizung 550 kW
  • Nahwärmenetz 2,2 km
  • Elektro-Tankstelle
Barlissen. FNR/Jan Zappner

Online-Bewerbung

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