Gewinner des Wettbewerbs 2014: Bechstedt, Lathen, Untermaßholderbach

Bechstedt (Thüringen)

Gewinner Bioenergiedorf 2014, Foto: FNR / Hagenguth

In der waldreichen Umgebung des Thüringer Schiefergebirges liegt das Bioenergiedorf Bechstedt, hier leben 160 Einwohnern in 51 Haushalten. Ein Holzvergaser-BHKW (100 kW th, 45 kW el) und ein Biomasse-Heizkessel (400 kW th) versorgen 31 Haushalte und 4 öffentliche Gebäude mit Bioenergie (Strom und Wärme). Die Bürger waren von Anfang an in die Bioenergieprojekte involviert. Sie haben eine Genossenschaft gegründet, die heute Eigentümerin der Anlagen und des Wärmenetzes ist. Letzteres verlegten die Mitglieder komplett in Eigenregie. Mit der überschüssigen Wärme werden im Sommer die regionalen Holzhackschnitzel - die vorwiegend aus Landschaftspflegeholz stammen - getrocknet. Zukünftig soll auch regionales Erntegut wie Getreide und Heilkräuter getrocknet werden. Mit dem Bioenergiedorfgedanken wurde  Bechstedt nicht nur touristisch aufgrund der zahlreichen Führungen aufgewertet: Die intakte Dorfgemeinschaft und die innovative, kostengünstige Bioenergie Versorgung sind wichtige Argumente für Menschen im Ort zu bleiben bzw. neue Mitbewohner zu gewinnen.

Lathen-Ortskern und Lathen-Wahn (Niedersachsen)

Oberrosphe
Gewinner Bioenergiedorf 2014, Foto: FNR / Hagenguth

Mit insgesamt 2.605 Einwohnern in 893 Haushalten ist das niedersächsische Bioenergiedorf Lathen (Ortskern und Wahn) der größte der drei prämierten Orte. Insgesamt hat die Samtgemeinde Lathen 11.200 Einwohner. Bis 2025 möchte sie 70 % davon mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgen.   Die Genossenschaft Emstal eG betreibt ein Holzheizkraftwerk (HHKW) mit ORC-Technologie (9 MW th, 1 MW el) sowie ein Nahwärmenetz, das kontinuierlich erweitert wird. Die Bürgerinnen und Bürger des Bioenergiedorfs sind als Genossen direkt an der Erzeugeranlage und an dem Nahwärmenetz beteiligt. Als Brennstoff setzen die Lathener regional erzeugte Holzhackschnitzel ein. Für die überschüssige Sommerwärme gibt es eine Trocknungsanlage für Holzhackschnitzel oder Kaminholz. Auffällig im Bioenergiedorf Lathen ist die hohe Anzahl angeschlossener öffentlicher Gebäude – 25 beziehen Biowärme von der Genossenschaft. Der Ort setzt aber nicht nur auf Bioenergie, sondern geht die Energiewende ganzheitlich an: Die Bürgerinnen und Bürger sind auch an Photovoltaik- und Windkraftanlagen beteiligt. Schließlich hat die Samtgemeinde ein Leitbild Energie und ein Klimaschutzkonzept entwickelt und strebt C02-Neutralität an.

Untermaßholderbach (Baden-Württemberg)

Gewinner Bioenergiedorf 2014, Foto: FNR / Hagenguth

Das Bioenergiedorf Untermaßholderbach ist mit 100 Einwohnern in 25 Haushalten ein vergleichsweise kleines Bioenergiedorf. 2011 gründeten die Bewohner des am historischen Limes und in der Nähe der Kreisstadt Öhringen gelegenen Ortes eine GbR für den Betrieb einer Heizzentrale und eines Nahwärmenetzes. 23 Haushalte sind gleichberechtigte Teilhaber und an das Nahwärmenetz angeschlossen, die beiden nicht angeschlossenen Haushalte haben moderne Holzzentralheizungen. Die Wärme liefern eine  Biogasanlage (350 kW el und 350 kW th) und ein Holzhackschnitzelkessel (200 kW th). Im Sommer trocknet die GbR mit der überschüssigen Biogaswärme regional erzeugte Hackschnitzel. Insgesamt deckt Untermaßholderbach seinen Wärmeverbrauch  zu 100 % aus Biomasse. Gleichzeitig erzeugt das Dorf zwölfmal so viel Strom, wie es selbst verbraucht und trägt damit wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei. Die Akteure von Untermaßholderbach sind in zahlreichen Netzwerken, vor allem im Forschungs- und Wissenschaftsbereich aktiv. Auch die Landesgartenschau 2016 ist bereits auf das Bioenergiedorf aufmerksam geworden und will es in ihr Konzept integrieren.